Amtsträger stehen nicht unter Denkmalschutz

Maria Jepsen, evanglisch-lutherische Bischöfin von Hamburg, ist von ihrem Amt zurückgetreten. In den letzten Tage hatte man sie wegen ihres Umganges mit einem Mißbrauchsfall in der nordelbischen Landeskirche kritisiert.

Fein und lieblich ist augenblicklich fast gar nichts in meinem bischöflichen Amt. Meine Glaubwürdigkeit wird angezweifelt.

Von daher sehe ich mich nicht in der Lage, die frohe Botschaft so weiterzusagen, wie ich es bei meiner Ordination und bei meiner Bischofseinführung vor Gott und der Gemeinde versprochen habe.

Da kommen mir die Worte von Bundestagspräsident Norbert Lammert zu Wahl des neuen Bundespräsidenten in den Sinn. Im Hinblick auf Prof. Köhlers Rücktritte sagte Lammert in der Eröffnungsrede der Bundesversammlung:

Für alle demokratischen Wahlämter gilt: Die Person prägt das Amt, aber sie geht nicht in ihm auf, so wenig wie das Amt sich durch den jeweiligen Amtsinhaber definiert. Mit diesem keineswegs banalen Spannungsverhältnis müssen der Amtsinhaber wie die Öffentlichkeit leben – beide tun sich damit nicht immer leicht.
Die Übernahme eines Amtes macht aus der Person keinen Würdenträger, aber mit der Annahme der Wahl eben mehr als eine Privatperson. Das hat Folgen für die Wahrnehmung der übertragenen Aufgaben und Funktionen. Niemand muss öffentliche Ämter übernehmen. Wer kandidiert und gewählt wird, übernimmt allerdings eine Verantwortung, die er mit aller Kraft, nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen hat. Niemand von uns steht unter Denkmalschutz, weder die Parlamente noch die Regierungen, nicht einmal das Staatsoberhaupt. Kritik muss sein

Kritik muss sein. Auch in der Kirche. Wenn jeder, der kritisiert wird, gleich zurücktritt – wo kämen wir da hin? Wer Kritik nicht aushalten kann, taugt nicht für ein öffentliches Amt.

Den Wortlaut der Rücktrittserklärung von Maria Jepsen gibt es bei domradio.de, die Eröffnungsrede zur 14. Bundesversammlung hier.

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Fußball ist Fußball, Liturgie ist Liturgie

Der Haarlemer Priester Paul Vlaar wurde vom Bischof beurlaubt, nachdem er in seiner Kirche anlässlich der WM  -wie soll man sagen- einen Gottesdienst am Sonntag die Meßfeier entfremdet hat, um -ja wofür eigentlich?- für das Finale der Niederländer zu beten.
Um Fairness zu beten und Teamgeist ist ja im Grunde eine gute Sache. Dafür hätten allerdings die Fürbitten ausgereicht. Alles andere ist eine Anbiederung und zeugt davon, wie dringend notwendig die Liturgische Bildung heute ist.
Ich bin sehr dafür, dass die Anliegen der Welt im Gottesdienst ihren Platz haben, sie müssen es sogar. Es ist unser Auftrag als Christinnen und Christen, für die Welt zu beten. Auch für einen friedlichen, fairen Ablauf einer Fußballweltmeisterschaft.

Aber im Zentrum des Messe steht nicht ein Thema, sondern eine Person: Jesus Christus.

Alles andere ist Götzendienst.

Den ganzen Artikel gibt es auf SPON.

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Konjunktiv des Unglaubens

Letztens beim Arztbesuch kommt das Gespräch auf meinen Beruf. Der Arzt zeigt sich offen und interessiert an religiösen Fragen. Schließlich charakterisiert er sich selbst:

„Ich glaube, ich würde wahrscheinlich ein Agnostiker sein.“

Was heisst das anderes als: Ich würde ja gerne glauben, aber….?
Vielleicht bringe ich ihm beim nächsten Besuch Informationen über den Alpha-Kurs mit.

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BoS – Best of Spam I

In loser Folge werde ich unter dieser Rubrik die blödesten dümmsten besten Spam-Mails vorstellen.

Absender: Mariechen Burmester
Betreff: Suche Testkäufer

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir suchen zur Zeit aktive Mitarbeiter fuer lang und kurzfristige Arbeit in den Bereich Testeinkaufer und Kurier landesweit. Die Stellen sind ab sofort frei und sofort zu belegen.

Sie fragen sich bestimmt wie wir auf Sie aufmerksam geworden sind. Die Bundesagentur fur Arbeit hat uns Ihre Personaldaten ubermittelt, damit wir selbst mit Ihnen in den Kontakt treten konnten. Leider konnen wir auf der Etappe noch nicht eine personalisierte Anwerbung vornehmen und bitten Sie hoflichst um eine Entschuldigung und um Ihr Verstandnis fur die Tatsache, dass wir Sie nicht angerufen haben oder Sie noch nicht bei Ihrem Namen nennen.
[…] Wenn wir Ihr Interesse geweckt haben, dann freuen wir uns auf Ihre Antwort mit kurzen Bewerbungen an unsere Bewerbung-Stelle: [vorname.name]@net.hr

Das ist aber sehr nett, dass Sie mich noch nicht angerufen haben. Ungarn ist mir nämlich für 2-3 Stunden pro Tag bei einer 5-Tage-Woche und 1150 Euro pro Monat netto etwas zu weit weg. Nein wirklich, dass treibt meinen Sachbearbeiter beim Finanzamt in den Wahnsinn, wenn ich ihm auch noch die Fahrtkosten nach Ungarn als Werbungskosten einreiche…

[Wird fortgesetzt.]

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Fussball und Religion

Aus Anlass der zuendegehenden Weltmeisterschaft ein Interview mit dem Pastoraltheologen Matthias Sellmann.
Das Video ist auf dem Portal von „forum-grenzfragen“ zu sehen, ein Angebot der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sehr empfehlenswert!

Hier der direkte Link zum Beitrag.

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